Wirecard – BaFin weiter unter Druck

Wirecard Pleite

Im Wirecard-Skandal gerät die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) immer weiter unter Druck. Ein Kritikpunkt ist der lasche Umgang mit der Wirecard-Bank, welche lange Zeit als die sauberste Institution des Gesamtunternehmens bezeichnet wurde. Nun geht auch die Bundesbank weiter auf Distanz zur BaFin. Die Bundesbank hält das von der BaFin verhängte Verbot von Leerverkäufen, welches die Finanzaufsicht aussprach, für falsch.

Bundesbank kritisiert Verbot von Leerverkäufen

Wirecard Pleite

Quelle: Wirecard, Grab and Go Store

Anfang Januar 2019 gab es bereits erste Vorwürfe, Wirecard würde den Markt manipulieren. Solche Vorwürfe hören die Aktionäre nicht gerne. Der Aktienkurs von Wirecard geriet in starke Turbulenzen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat unter anderem die Aufgabe, den Markt zu beobachten und seine Stabilität zu gewährleisten.

Die BaFin sah ein großes Potential für eine Verunsicherung des gesamten Marktes aufgrund von Leerverkäufen von Wirecard-Aktien. Dabei wetten Spekulanten auf fallende Aktienkurse von Unternehmen. Damit die Bank nicht noch weitere Unternehmen bis hin zum gesamten Markt mit sich reißen konnte, har die BaFin ein zweimonatiges Leerverkaufsverbot für Wirecard-Aktien verhängt.

Die Bundesbank sieht darin einen unberechtigten Eingriff in den Markt, denn schließlich seien keine Studien bekannt, aus denen hervorgeht, dass es jemals allgemeine Marktverunsicherungen gegeben hat, welche sich auf Leerverkäufe von Aktien eines Einzelunternehmens zurückführen ließen.

BaFin wegen laxer Linie in der Kritik

Für die BaFin war die Wirecard Bank bis dato so etwas wie eine Vorzeigebank. Bei der Aufsicht hat die BaFin wohl eine sehr laxe Linie gefahren und Wirecard mehr durchgehen lassen als allen anderen Banken. Bereits 2018 hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY festgestellt, dass die Wirecard Bank ihr Kreditgeschäft nicht mit genügend Rücklagen versehen hat.

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Ein Beispiel ist das Acquiring-Geschäft. Darunter versteht man die Abrechnung von Kreditkartenzahlungen für Händler. EY sieht darin ein Kreditgeschäft, denn die Bank selbst trägt das Risiko von Kreditausfällen, wenn der Kunde seine Rechnung nicht begleichen kann. Die Wirecard Bank hat diesen Teil des Kreditgeschäfts jedoch nicht mit Kapital unterlegt.

Laut BaFin handelt es sich dabei nicht um ein Kreditgeschäft, obwohl ein Totalausfall die Bank fast 31 Millionen Euro gekostet hätte. Ebenso geht aus einem Revisionsbericht der Bank hervor, dass es seitens der Bank mehrere „Anhaltspunkte für Straftaten“ gibt, welche viele Mitarbeiter selbst betrifft. Das dürfte die Lage für Jan Marsalek, dem ehemaligem Vorstand von Wirecard, noch einmal schwieriger machen. Derzeit gilt er als Hauptverdächtiger und ist scheinbar auf der Flucht.