Top-Ökonom warnt vor starker Inflation

Der Top-Ökonom Hans-Werner Sinn gibt sich zuversichtlich, dass Deutschland die Corona-Krise wirtschaftlich betrachtet gut überstehen wird. Die Wirtschaftskrise mit ihrer Niedrigzinspolitik dürfte jedoch langfristig für eine starke Inflation sorgen. Das größte Problem dabei ist die EZB, die vermutlich kaum noch Möglichkeiten hat, dem entgegenzuwirken.

Sinn: Nach dem Winter geht es wirtschaftlich wieder bergauf

Der ehemalige Ifo-Chef ist sich sicher, dass der Kampf gegen das Corona-Virus gewonnen werden wird. Die Wirtschaft hat zwar schwer gelitten, doch im kommenden Jahr erwartet er eine immer schneller fortschreitende Erholung der Märkte. So prophezeit er, dass die Wirtschaft Deutschlands gegen Ende 2022 wieder ihr Vorkrisen-Niveau erreicht haben dürfte.

Ausschlaggebend wird der Impfstoff sein. Die Meldungen über Durchbrüche bei der Entwicklung eines Impfstoffes beflügeln zurzeit die Wirtschaft. Wird der Impfstoff noch in diesem Jahr oder in den ersten Monaten des kommenden Jahres verteilt, dürfte eine dritte Pandemie-Welle ausbleiben und die Wirtschaft kann ihren normalen Betrieb wieder aufnehmen.

Drohende Inflation bringt die EZB in Schwierigkeiten

Neben der positiven Entwicklung der Volkswirtschaft besteht laut Sinn allerdings ein hohes Inflationsrisiko. Die milliardenschweren Hilfspakete wurden teils durch den Aufkauf von Staatsanleihen finanziert, es hat eine enorme Geldvermehrung stattgefunden. Aktuell ist sechs Mal so viel Zentralbankgeld im Umlauf als es noch 2008, vor dem Beginn der Eurokrise, der Fall war.

Momentan wird viel Geld gespart. Privatpersonen und Banken haben ihr Geld lieber bei sich behalten und nicht in den Wirtschaftskreislauf eingebracht. Wenn nun die Krise endet und sich alles wieder normalisiert, ist es wahrscheinlich, dass es eine schwer vorherzusagende Inflation geben kann, dank der die allgemeinen Preise steigen.

Weitere Texte:  Deutsche Wirtschaft im Rekordwachstum: 8,2 Prozent mehr als im Vorquartal

Zwar sei es das Ziel eine Inflation im Sinne der EZB, jedoch dürfte diese größere Probleme damit bekommen, sie in den Griff zu kriegen und zu regulieren. Die Geldpolitik ist während der Krise so gelockert und aufgeweicht worden, dass man sie nicht mehr einfach wieder in den Zustand vor der Krise versetzen kann. Sinn sagte dazu in einem Interview der Augsburger Allgemeine:

„Dann wird die EZB nicht den Rückwärtsgang einlegen, sondern die Inflation stattdessen kleinreden. Der Rückwärtsgang hieße, dass sie für über 3000 Milliarden Staatspapiere wieder verkaufen muss, was die Staaten und Banken Südeuropas in arge Schwierigkeiten brächte.“

Allerdings betont er auch, dass das Risiko einer starken Inflation besteht. So wagt er keine Prognose, ob es wirklich auch dazu kommt und sollte es dazu kommen, wann es geschehen könnte.