Startups in Afrika: Langsam nehmen auch die Fintechs an Fahrt auf

Erfolgreiche FinTech-Gründer in Nigeria: Emeka Emetarom, Obi Emetarom und Wale Onawunmi Bild: Appzone

(ddna) Afrikas Fintech-Bereich hat in den letzten Jahren bei Investitionen an Aufmerksamkeit gewonnen, aber es ist keine Neuigkeit, dass Startups immer noch damit kämpfen, qualitativ hochwertige Produkte anzubieten. Im Vergleich zu traditionellen Banken, die mit Herausforderungen wie veralteten Kostenstrukturen und einem großen Mangel an betrieblicher Effizienz zu kämpfen haben, scheinen sie sich jedoch recht gut zu schlagen.

Appzone ist ein Fintech-Software-Anbieter. Es ist eines der wenigen Unternehmen, das eigene Lösungen für Finanzinstitute und ihre Bank- und Zahlungsdienste entwickelt. Heute gibt das Unternehmen bekannt, dass es eine Investition in Höhe von 10 Millionen US-Dollar abgeschlossen hat. Das hört sich wenig an, aber es entspricht ungefähr einer Investitionshöhe von 50 Millionen Euro für ein europäisches Startup.


Typischerweise verlassen sich afrikanische Finanzinstitute meistens auf den Einsatz ausländischer Technologielösungen, um ihre Probleme zu lösen. Dabei treten jedoch immer wieder Probleme mit der Preisgestaltung, der Flexibilität für Innovationen und dem Mangel an lokalem technischem Support auf. Hier hat Appzone seine Marktlücke gefunden. Das Unternehmen mit Sitz in Lagos, Nigeria, wurde 2008 von Emeka Emetarom, Obi Emetarom und Wale Onawunmi gegründet.


Appzone spielt eindeutig ein anderes Spiel als andere afrikanische Fintechs. Ein klares Unterscheidungsmerkmal ist, dass das Unternehmen als Enabler (bei Zahlungsschienen und der Kerninfrastruktur) innerhalb des Bank- und Zahlungsverkehrs fungiert. Die Neugründung startete als Dienstleistungsunternehmen, das Geschäftsbanken mit maßgeschneiderten Softwareentwicklungsdienstleistungen versorgt. Im Jahr 2011 brachte das Unternehmen sein erstes Kernbankprodukt auf den Markt, das sich an Mikrofinanzinstitute richtete. Im folgenden Jahr brachte Appzone sein erstes Produkt (branchless banking) für Geschäftsbanken auf den Markt. Im Jahr 2016 ging das Unternehmen mit seinem Mobile- und Internet-Banking-Service live und führte 2017 ein Produkt zur sofortigen Kartenausgabe ein. Im Jahr 2020 führte das Unternehmen Dienstleistungen ein, die sich auf die End-to-End-Automatisierung von Kreditgeschäften für Banken und die Blockchain-Vermittlung beziehen.


„Wir haben Appzone mit der Absicht gegründet, innovative lokale Lösungen für das Banking und den Zahlungsverkehr auf dem Kontinent zu entwickeln“, sagte CEO Obi Emetarom in TechCrunch. „Der Fokus lag darauf, unsere Fähigkeit als Enabler zu nutzen, um eigene Technologien für beide Segmente zu entwickeln.“Die Plattformen von Appzone werden von 18 Geschäftsbanken und mehr als 450 Mikrofinanzbanken in Afrika genutzt. Zusammen erreichen sie einen jährlichen Transaktionswert und eine jährliche Kreditauszahlung von 2 Milliarden Dollar bzw. 300 Millionen Dollar.


Nachdem das Unternehmen mehr als ein Jahrzehnt lang im Stealth-Modus gearbeitet hat, will es seine Produkte und Dienstleistungen nun blitzartig ausbauen. Weitere Länder mit Marktchancen sind die Demokratische Republik Kongo, Ghana, Gambia, Guinea, Tansania und Senegal. Bisher fehlten Appzone die Ressourcen, um aggressiv in diese Märkte vorzustoßen, obwohl sie vielversprechend waren. Aber nach Abschluss der Serie A steht fest, das Wachstum in diesen Ländern voranzutreiben und in weitere afrikanische Länder zu expandieren.


Wolfgang Zehrt, ddna