Sparerscheck Negativzinsen – droht nun der Hypothekenschreck wegen Negativzinsen?

Bei Negativzinsen droht eine Verteuerung der Hypotheken. Genau vor

Sparerscheck Negativzinsen - droht ein Hypothekenschreck wegen Negativzinsen?
Quelle: pixabay.com, Creator: AlexanderStein

diesem Szenario warnt der Schweizer Finanzexperte Frédéric Papp vom Vergleichsportal comparis.ch. Weiter: „Nach dem Taucher unter die  magische Marke von 1 Prozent steigen die Richtzinsen zehnjähriger Hypotheken wieder leicht an.  Die Negativzinsen belasten zwar die Zinsmargen der Banken weiter. Sie könnten aber auch zu einer Verteuerung der Hypotheken führen.“

Der Wirtschaftsmotor wird seit Jahren mit ultratiefen Zinsen am Laufen gehalten. So richtig auf Touren kommt er dennoch nicht. Die anhaltende Tiefzinspolitik drückt auch die Hypothekarzinsen auf Rekordtiefen. Auf dem Zenit der Finanzkrise im September 2008 veranschlagten Kreditinstitute für eine zehnjährige Hypothek mehr als 4 Prozent. Ende Dezember 2019 sind es mit 1,09 Prozent fast viermal weniger.

Allerdings: „Die Negativzinsen könnten künftig den gegenteiligen Effekt auslösen und Hypotheken verteuern“, warnt Comparis-Finanzexperte Frédéric Papp. Er begründet das damit, dass Negativzinsen für immer breitere Bevölkerungsschichten zu Verhaltensänderungen führen könnten.

Anlagen, Bargeld und Gold statt Geld auf dem Konto

Negativzinsen auf Kontobeständen lassen sich durch bekannte Tauschgeschäfte vermeiden, etwa durch eine Umschichtung von Bargeld in Wertpapieranlagen. Wer Wertpapiere scheut, hat noch eine andere Möglichkeit: das Horten von Bargeld oder Gold im Bankschliessfach. Die Bankgebühren für Schliessfächer sind deutlich tiefer als ein Strafzins von 0,75 Prozent.

„Je länger die Negativzinsphase dauert, umso grösser werden die Anreize, auch unkonventionellere Strategien zur Umgehung von Negativzinsen zu entwickeln. Stichworte sind Kryptowährungen wie Bitcoin oder Derivate“, so Papp.

Fest steht: Sinken die Spareinlagen, ist weniger Geld für die Refinanzierung von Hypothekargeschäften vorhanden. „Passiert das im grossen Stil, kommt es zu einer Verknappung des Angebots. Die logische Antwort auf eine Verknappung sind höhere Preise, also höhere Hypothekarzinsen“, so Papp.

Ob es dazu kommt, hängt im Wesentlichen von der künftigen Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ab. Papp glaubt, dass die EZB an ihrer ultralockeren Geldpolitik festhalten wird und die langersehnte Zinswende weiter in die Zukunft schiebt. „Der Spielraum für die SNB für Zinserhöhungen bleibt somit äusserst eng“, so der Comparis-Experte.

Leicht höhere Hypothekarzinsen

Im Schlussquartal des Jahres 2019 kletterte der Richtzins für eine zehnjährige Festhypothek auf bis zu 1,10 Prozent. Das sind 11 Basispunkte mehr als im Rekordtief vom August 2019. Am 31. Dezember 2019 lag der Satz mit 1,09 Prozent minimal höher als Ende des dritten Quartals. Zwei- und fünfjährige Hypotheken sind nahezu gleich teuer wie im vergangenen Quartal.

„Die Hypothekarzinsen werden auch 2020 über alle Laufzeiten tief bleiben mit leichten Ausschlägen nach oben oder unten“, prognostiziert Papp.

Trotz tiefem Zinsniveau sind die Zinsunterschiede im Anbietervergleich teils beträchtlich. Die Zinsspanne der von Hypothekarinstituten veröffentlichten Zinssätze für eine zehnjährige Festhypothek beträgt 1,40 Prozent im Maximum und 0,82 Prozent im Minimum. Bei einem Hypothekarvolumen von 500’000 Franken beträgt das Sparpotenzial 2’900 Franken pro Jahr. Das zeigen Daten des Comparis-Partner-Services und unabhängigen Hypothekenvermittlers HypoPlus. Wer geschickt verhandelt oder verhandeln lässt, zahlt noch weniger Zins.

Mini-Zinsgraben zwischen zehnjähriger und fünfjähriger Hypothek

Beeindruckend ist laut Papp die anhaltende minimale Zinsdifferenz. Zehnjährige Hypotheken kosten nur 16 Basispunkte mehr als fünf- und 22 Basispunkte mehr als zweijährige Hypotheken. Der Zeitpunkt, sich zu günstigen Zinskonditionen langfristig zu verschulden, ist somit günstig.

Q4 2019Q3 2019Q2 2019Q1 2019Q4 2018
10-jährige Festhypothek1,09%1,05%1,10%1,20%1,46%
Differenz zwischen 5- und 10-jähriger Festhypothek (in Basispunkten)1614152342
5-jährige Festhypothek0,93%0,91%0,95%0,97%1,04%
Differenz zwischen 2- und 10- jähriger Festhypothek (in Basispunkten)2218222851
2-jährige Festhypothek0,87%0,87%0,88%0,92%0,95%
Differenz zwischen 2- und 5-jähriger Hypothek (in Basispunkten)6 BP4 BP7 BP5 BP9 BP
Quelle: comparis

Datengrundlage

Die Angaben zu den Zinssätzen des Comparis-Hypothekenbarometers basieren auf den Richtzinssätzen von über 50 Kreditinstituten. Sie werden täglich aktualisiert und im Zinsüberblick publiziert. Die Erfahrung zeigt, dass die Zinsen der Hypothekarofferten in den meisten Fällen unter den offiziellen Richtsätzen liegen. Das nächste Hypotheken-Barometer erscheint Anfang April 2020.

(comparis)

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