Konjunktur erholt sich stärker als erwartet

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) hat im dritten Quartal 2020 um 8,5 Prozent zugelegt. Damit stieg die Wirtschaftsleistung des Landes deutlich stärker als es nach dem großen Corona-Einbruch zu erwarten war. Aktuell ist noch nicht davon auszugehen, dass dieser Trend anhält, denn die zweite Corona-Welle dürfte sich wieder negativ auf die Wirtschaftsleistung auswirken. Die Hoffnung auf einen baldigen Impfstoff ist hingegen ein Anlass zur Hoffnung.

Drittes Quartal: BIP steigt wie schon lange nicht mehr

Im Frühjahr dieses Jahres hat das Corona-Virus die Wirtschaft eiskalt erwischt. Aufgrund der Pandemie mussten zahlreiche Geschäfte schließen und der nationale sowie internationale Handel wurde nahezu lahmgelegt. Das BIP ist im Frühjahrsquartal um ganze 9,8 Prozent zurückgegangen. Nun hat das Statistische Bundesamt bekanntgegeben, dass die Wirtschaftsleistung von Juli bis September um 8,5 Prozent zum Vorquartal zugelegt hat. In einer früheren Prognose ging man von 8,2 Prozent aus.

Das Wachstum ist zum Teil auf höhere private Konsumausgaben zurückzuführen. Diese nahmen im Vergleich zum Vorquartal um 10,8 Prozent zu. Die wirtschaftliche Stimmung scheint auch in Unternehmen zu steigen. Die Ausgaben für Anlagen und Maschinen legten um 16 Prozent zu. Ein weiterer Antreiber der Wirtschaft sind die Exporte, die um 18,1 Prozent zulegten. Insgesamt erholt sich die deutsche Wirtschaft stärker als die aller anderen EU-Mitglieder. In vielen EU-Staaten wuchs die Wirtschaft zwar prozentuell stärker als in Deutschland, dafür war der Einbruch im Frühjahr jedoch auch deutlich heftiger.

Viertes Quartal: Zwischen Rückschlag und Hoffnung

Aktuell liegt die Wirtschaftskraft noch vier Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Prognosen zur kurzfristigen Entwicklung im vierten Quartal sind schwierig. Traditionell ist die Kauflaune in der Weihnachtszeit besonders groß. Wie es sich in diesem Jahr verhält ist aufgrund der zweiten Corona-Welle mit ihrem „Lockdown-Light“ und weiteren Einschränkungen schwer vorherzusagen. Es ist wahrscheinlich, dass das Wirtschaftswachstum wieder abflaut.

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Auf der anderen Seite steigt die Hoffnung, dass ein Impfstoff gegen das Virus vielleicht noch in diesem Jahr zugelassen und verteilt wird. Womöglich kommt er zu spät, um das Weihnachtsgeschäft anzukurbeln, jedoch schafft er weitere wirtschaftliche Planbarkeit für Unternehmen und Industrie, sodass sich die Gesamtwirtschaft weiter stabilisieren und wachsen kann.

Für das nächste Jahr sagt der Sachverständigenrat ein weiteres Wachstum heraus. Derzeit wird erwartet, dass das BIP 2020 am Ende um 5,1 Prozent unter dem des Vorjahres liegt. 2021 soll es dann um 3,7 Prozent wachsen.