Keine Branche bleibt von Corona verschont

Einen Umsatzrückgang von 20 Prozent erwartet die Unternehmensberatung PwC für die deutschen Automobilzulieferer. Zudem gehen die Experten davon aus, dass die Durststecke bis 2023 andauern wird. Auch die Restrukturierungsfälle werden zunehmen, äußerste sich der PwC-Branchenexperte Thomas Steinberger.

Auch wenn die Zuliefererbranche in den letzten Jahren sehr gut verdient habe und die Reserven hoch waren, steht die Branche vor einer sehr großen Herausforderung. Wie Steinberger sagte, sind die Liquiditätspuffer komplett ausgereizt und vor allem die Zulieferer mit Geschäften in Europa haben große Probleme.

In Asien steigt die Nachfrage

Unternehmen, die global sehr gut aufgestellt sind profitieren hingegen durch die hohe Nachfrage in Asien. Sie haben nicht mit so großen Einbußen zu kämpfen, wie die, die ihr Geschäft auf Europa ausgelegt haben. Doch auch hier wird es bis 2023 nicht zu den Absatzmengen wie vor der Corona-Pandemie kommen. Dies liegt vor allem auch an der großen Unsicherheit der Restrukturierung.

Corona trifft alle Branchen

Auch wenn die Corona-Pandemie alle Branchen trifft, gehen derzeit deutlich weniger Unternehmen pleite. Ob das allerdings so bleiben wird, ist fraglich. Das geänderte Insolvenzrecht sorgt dafür, dass die erwartete Pleitewelle bisher ausblieb. Experten sehen aber noch keinen Grund für eine Entwarnung.

Statistiken der zuständigen Amtsgerichte in Berlin und Brandenburg zeigen beispielsweise, dass die Zahl der Anträge auf Eröffnung eine Insolvenzverfahrens im Oktober unter dem Vorjahreswert blieb. Während im Oktober 2019 in Berlin 390 Anträge eingingen, waren es im Oktober 2020 nur 309 Anträge auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. In Brandenburg waren es ebenfalls weniger Anträge. Hier wurden 119 Anträge eingereicht. Im Oktober 2019 waren es noch 138.

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Obwohl es zu Jahresbeginn noch deutlich dramatischer aussah. Vergleicht man die ersten drei Monate 2019 und 2020 waren es in Berlin und in Brandenburg deutlich mehr Insolvenzanmeldungen als ein Jahr zuvor. Durch die neue Insolvenzregelung, die im April in Kraft trat, konnten die Insolvenzanmeldungen deutlich gesenkt werden.

Die Bundesregierung hatte die bestehende Insolvenzregelung rückwirkend zum 1. März geändert. Alle Insolvenzfälle, die auf die Folgen der Corona-Pandemie zurückzuführen waren, konnten davon profitieren. Auch wenn Ende September 2020 die Regelung teilweise wieder auslief, können weiterhin Unternehmen, die durch die Pandemie überschuldet sind, davon profitieren. Dies wurde bis Ende 2020 verlängert.

Dennoch sollte man sich nicht zu früh freuen. Sicher ist, dass den Winter viele Unternehmen nicht überstehen werden. Je nachdem wie lange der Teil-Lockdown dauert, wird sich zeigen, wer es schafft und wer nicht. Da helfen wohl auch die neuen Insolvenzregelungen wenig.

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