EZB betont Handlungsbedarf wegen Schwachstellen bei Banken

EZB: Banken im Euroraum haben insgesamt komfortable Liquiditätspositionen, doch Schwachstellen erfordern weiteren Handlungsbedarf.

  • Banken wiesen angemessene Liquiditätsreserven auf, um Stresssituationen standzuhalten
  • Überprüft wurde die Fähigkeit der Banken, hypothetische Liquiditätsschocks mit einer Dauer von sechs Monaten zu überstehen
  • Festgestellte Schwachstellen, die aufsichtliche Folgemaßnahmen erfordern, beziehen sich insbesondere auf Fremdwährungen, Datenqualität und Sicherheitenverwaltung
  • Die Feststellungen fließen in die jährliche aufsichtliche Überprüfung einDie überwiegende Mehrheit der Banken, die direkt von der Europäischen Zentralbank (EZB) beaufsichtigt werden, weisen laut den Ergebnissen des aufsichtlichen Stresstests 2019 insgesamt komfortable Liquiditätspositionen auf. Aufgrund einiger Schwachstellen besteht allerdings weiterer Handlungsbedarf.
EZB betont Handlungsbedarf wegen Schwachstellen bei Banken
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Die simulierten Schocks wurden auf der Grundlage der während der jüngsten Krise gewonnenen aufsichtlichen Erfahrung kalibriert, ohne dass auf geldpolitische Beschlüsse Bezug genommen wurde. Die Sensitivitätsanalyse betrachtete ausschließlich die potenziellen Auswirkungen idiosynkratischer Liquiditätsschocks auf die einzelnen Banken. Mögliche Ursachen dieser Schocks oder die Auswirkung umfassenderer Turbulenzen an den Märkten waren nicht Gegenstand der Beurteilung.Die Ergebnisse sind überwiegend positiv: Etwa die Hälfte der 103 teilnehmenden Banken meldete eine „Überlebensdauer“ von mehr als sechs Monaten bei negativen Schocks und von mehr als vier Monaten bei extremen Schocks. Die „Überlebensdauer“ ist definiert als die Anzahl der Tage, an denen eine Bank anhand der verfügbaren Zahlungsmittel und Sicherheiten ohne Zugang zu den Refinanzierungsmärkten ihre Geschäftstätigkeit aufrechterhalten kann.Der Zeithorizont von sechs Monaten übersteigt die Zeitspanne der Liquiditätsdeckungsquote, nach der Banken eine ausreichende Reserve an hochwertigen liquiden Vermögenswerten halten müssen, um unter gravierenden Liquiditätsengpässen über einen Zeitraum von 30 Kalendertagen überleben zu können. Eine lange Überlebensdauer unter den schwerwiegenden Schocks, die im Rahmen des Tests simuliert wurden, würde den Banken reichlich Zeit geben, um ihre Notfall-Finanzierungspläne umzusetzen.

Tochtergesellschaften bedeutender Institute im Euroraum und Banken, die fusionieren oder umstrukturiert werden, wurden von der Stichprobe ausgeschlossen. Universalbanken und global systemrelevante Banken würden von idiosynkratischen Liquiditätsschocks generell stärker betroffen sein als andere Institute, da sie in der Regel auf weniger stabile Refinanzierungsquellen, wie Einlagen von Großkunden und Unternehmen, angewiesen sind, auf die im Test höhere Abflussraten angewendet wurden. Retailbanken wären aufgrund ihrer stabileren Einlagenbasis weniger stark betroffen.Auf Grundlage der Testergebnisse wird die EZB die Banken auffordern, vor allem in den folgenden Bereichen, in denen Schwachstellen festgestellt wurden, Maßnahmen zu ergreifen:
  • Die Überlebensdauer, die anhand von Cashflows in Fremdwährungen berechnet wird, ist oft kürzer als jene, die auf konsolidierter Ebene gemeldet wird. Mehrere Banken greifen auf kurzfristige, großvolumige Refinanzierungen in Fremdwährungen zurück. Dabei könnten sich einige unter ihnen zu stark auf das weitere Funktionieren des Marktes für Devisenswaps stützen
  • Auf Einzelbasis betrachtet, weisen Tochtergesellschaften von Banken im Euroraum mit Sitz außerhalb des Euroraums in der Regel eine kürzere Überlebensdauer auf als jene mit Sitz innerhalb des Euroraums. Es ist zwar üblich, dass sich Tochtergesellschaften auf eine gruppeninterne Refinanzierung und/oder eine Refinanzierung durch das Mutterunternehmen stützen, doch könnten einige Banken dadurch in anderen Ländern mit Ringfencing-Risiken konfrontiert werden
  • Bestimmte regulatorische „Optimierungsstrategien“, die während des Stresstests ermittelt wurden, werden mit den Banken im Rahmen des Aufsichtsdialogs erörtert
  • Viele Banken wären in der Lage, neben den unmittelbar verfügbaren Liquiditätspuffern Sicherheiten zu mobilisieren, um in Krisenzeiten zusätzliche Refinanzierungsmittel zu gewährleisten. Das Sicherheitenmanagement – das im Fall einer Liquiditätskrise besonders wichtig ist – sollte jedoch in einigen Banken weiter verbessert werden
  • Die Banken unterschätzen möglicherweise die negativen Auswirkungen auf die Liquidität, die sich aufgrund einer Herabstufung der Bonität ergeben könnten. Banken mit aktuellen Erfahrungen in der Liquiditätssteuerung unter Stressbedingungen konnten in diesem Zusammenhang qualitativ hochwertigere Daten zur Verfügung stellen.
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Die meisten Banken übermittelten die angeforderten Informationen rechtzeitig. Gleichzeitig hat der Test dazu beigetragen, bei einer Reihe von Banken Datenqualitätsprobleme im Zusammenhang mit der Liquiditätsmeldung aufzudecken. Die Ergebnisse werden dabei helfen, die Qualität der aufsichtlichen Informationen in der Zukunft zu verbessern.Die Bankenaufsicht wird die Ergebnisse mit den Banken einzeln im Rahmen des aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozesses erörtern. Die Ergebnisse werden sich nicht unmittelbar auf die aufsichtlichen Kapitalanforderungen auswirken. Sie werden jedoch in die Bewertung der Governance und des Liquiditätsrisikomanagements der Banken einfließen.

(EZB)

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