Digital, alternativ, risikoorientiert: Wie der Mittelstand anlegt

  • Neue Forsa-Studie zum Finanzanlageverhalten des Mittelstands
  • „Sicherheit“ und „Liquidität“ bei Anlageprodukten für 86% der Unternehmen am wichtigsten, „Nachhaltigkeit“ bereits bei 14%
  • Fast ein Viertel der Unternehmen nutzt eine professionelle Vermögensverwaltung
  • Bei 27% der Großunternehmen Anlagevermögen über 100 Mio. Euro, fast ein Drittel der Befragten legt in Fremdwährungen an
  • 57% der Unternehmen bilden Pensionsrückstellungen
DreBa Zertifikatsvergabe mi Hr. Herrlein

Die sich immer weiter zuspitzende Zinspolitik der Europäischen Zentralbank stellt auch den Mittelstand vor enorme Herausforderungen, was die Anlagemöglichkeiten liquider Mittel betrifft. Als ein Effekt schichten viele Unternehmen ihr Vermögen um oder investieren vermehrt in den eigenen Betrieb. Bereits zum zehnten Mal steht das Anlageverhalten deutscher Unternehmen im Mittelpunkt einer aktuellen Umfrage der Commerzbank, mit deren Erstellung erstmals Forsa beauftragt wurde. Basis der Studie ist eine bundesweite repräsentative Befragung bei 500 Entscheidern in Unternehmen mit einem Jahresumsatz ab 15 Mio. Euro. Wie aus der Studie hervorgeht, bezeichnen 86% der befragten Unternehmen ihre Anlagestrategie als liquiditäts- bzw. sicherheitsorientiert. Chancen- bzw. risikoaffin sind dagegen nur rund 10%. Bereits für 14% der Unternehmen spielt das Kriterium „Nachhaltigkeit“ bei Anlageprodukten eine Rolle.

Während im Vorjahr noch längerfristige Anlagen im Fokus standen, legt aktuell knapp die Hälfte der Unternehmen (48%) kurzfristig mit einem Zeithorizont von bis zu einem Jahr an. Mittelfristige (1 bis 3 Jahre) bzw. langfristige (länger als 3 Jahre) Anlagen werden von jeweils etwa einem Fünftel favorisiert. Die mit 41% am meisten genutzte Anlageform ist das Termingeld. Währungsanlagen oder Fonds spielen mit je 13% eine untergeordnete Rolle. Legen Unternehmen in Fonds an, bevorzugen sie gemischte Fonds (56%) und Aktienfonds (51%). Die breite Mehrheit der Befragten (76%) legt selbst an, während ein knappes Viertel eine professionelle Vermögensverwaltung oder ein gemanagtes Mandat nutzt.

Knapp ein Drittel der Unternehmen (29%) hat in den letzten 12 Monaten Negativzinsen bezahlt, größere Unternehmen häufiger (36%) als kleinere. Der Dienstleistungssektor ist hier mit 36% betroffener als beispielsweise der Handel (25%). Als Konsequenz schichten die Unternehmen in andere Anlageformen um (37%) oder investieren verstärkt im eigenen Betrieb (32%). Interessant ist auch, dass derzeit 25% der Befragten keine Veränderung ihres Anlageverhaltens planen. „Der Druck der EZB-Zinspolitik auf den Geld- und Kapitalmarkt ist nicht nur für Banken, sondern auch für unsere Kunden mittlerweile deutlich spürbar. Es bleibt abzuwarten, wie lange diese Phase anhält – Stichwort japanische Verhältnisse. Je länger dies währt, desto mehr werden Unternehmen ihr Anlageverhalten ändern müssen, um weiterhin positive Renditen zu erwirtschaften“, so Oliver Haibt.

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Knapp die Hälfte der mittelständischen Unternehmen legt mehr als 1 Mio. Euro an. Bei gut einem Viertel der Großunternehmen erreicht das Anlagevermögen 100 Mio. Euro oder mehr. Fremdwährungen gehören bei fast einem Drittel der Befragten zum Anlageportfolio, bei größeren Unternehmen ist dieser Anteil tendenziell höher. Mit 57% bildet ein Großteil der Unternehmen Pensionsrückstellungen. Bei knapp zwei Drittel sind diese zu mehr als 50% gedeckt.

Die neue Studie liefert erstmals auch Angaben zu alternativen und digitalen Anlageformen. Für ein knappes Fünftel der Unternehmen kommen demnach Investitionen in Handelsfinanzierungen in Frage. Alternativen wie Zinsportale, Peer-to-Peer- oder Social-Trading-Plattformen sind dagegen für weniger als 10% der Befragten vorstellbar. Die Ergebnisse zeigen außerdem, dass sich die Beratungsbedürfnisse geändert haben: Während nahezu alle Unternehmen den elektronischen Zahlungsverkehr nutzen, legt inzwischen knapp die Hälfte (46%) auf diesem Weg auch Tages- oder Termingelder an. Bereits 29% der Unternehmen wickeln ihren Devisenhandel digital ab. „Die Digitalisierung des Handelsgeschäfts wird sich dynamisch weiterentwickeln, sowohl innerhalb der Unternehmen als auch in der Commerzbank. Eine wichtige Erkenntnis ist für uns aber insbesondere, dass bei konkretem Beratungsbedarf das persönliche Gespräch unverändert im Vordergrund steht. Mit Blick auf die zunehmende Digitalisierung ist es daher nur logisch, dass elektronische Medien wie die Videoberatung an Bedeutung gewinnen werden“, erläutert Oliver Haibt.

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