DHL Global Trade Barometer: Welthandel mit moderaten Aussichten

Von den sieben analysierten Ländern weisen sechs einen leicht negativen Handelsausblick auf.

  • Indien wieder mit positivem Wachstumsausblick
    China mit schwächsten Wachstumsaussichten unter allen analysierten Ländern
  • Tim Scharwath, CEO von DHL Global Forwarding, Freight: “Welthandel wird das vormals hohe Niveau zum Jahresende wohl nicht halten können, auch wenn sich einige Bereiche weiterhin dynamisch entwickeln”

Das DHL Global Trade Barometer (GTB) deutet auf eine weitere Abschwächung des globalen Handels in den nächsten drei Monaten hin. Der Ausblick für den Welthandel hat sich um -2 Punkte auf einen neuen Indexwert von 45 eingetrübt. Das bedeutet, dass der Welthandel weiter an Dynamik verliert, wobei der Rückgang immer noch geringfügig ausfällt. Im Vergleich zu den letzten Quartalen ist der Abwärtstrend größtenteils moderat und beständig. Hinweise auf einen schnelleren Rückgang sind genauso wenig erkennbar wie Anzeichen für das Erreichen eines Tiefpunktes. Mit Ausnahme von Indien sind alle analysierten Länder von der nachlassenden Handelsdynamik betroffen und weisen Indexwerte unterhalb der Schwelle von 50 Punkten auf, die ein positives Handelswachstum prognostiziert. Hinter dem Rückgang des Gesamtindex stehen nachgebende Indexwerte für die Luftfracht und die Seefracht. Der Index für die Luftfracht ist um -3 Punkte auf 42 gesunken, der Seefracht-Index um -2 Punkte auf 46 Indexpunkte.

“Das DHL Global Trade Barometer deutet zum Jahresende auf einen moderaten Welthandel hin. Wir dürfen allerdings auch nicht vergessen, wo wir herkommen: Das starke Wachstum des Welthandels in den vergangenen Jahren lässt sich mit der Besteigung des Mount Everest vergleichen. Jetzt steigen wir herab, atmen aber immer noch Höhenluft”, sagt Tim Scharwath, CEO von DHL Global Forwarding, Freight.

Welthandel: Die Milde, aber kontinuierliche Abschwächung betrifft alle Länder mit Ausnahme Indiens

Von den sieben analysierten Ländern weisen sechs einen leicht negativen Handelsausblick auf: Die Indexwerte für Deutschland und China sind um jeweils -3 Punkte auf 45 beziehungsweise 42 gesunken. In Deutschland ist diese Entwicklung vor allem auf den schwächeren Ausblick für die Luftfracht zurückzuführen. Der Indexwert für die deutsche Luftfracht ist deutlich um -7 Punkte auf 45 gesunken. Hinter der Handelsabschwächung in China steht die schleppende Entwicklung in der Luft- und Seefracht, wodurch China den schlechtesten Wachstumsausblick unter allen betrachteten Ländern aufweist. Außer Frage steht, dass dieser Abwärtstrend auf den andauernden Handelskrieg mit den USA zurückzuführen ist. Auch für den US-Handel zeichnet sich ein weiterer Rückgang ab, wobei der Gesamtausblick für die Vereinigten Staaten mit 44 Punkten praktisch unverändert ist (-1 Punkt verglichen mit der letzten Indexaktualisierung). Der Gesamtausblick für Südkorea ist um -2 Punkte auf einen neuen Indexwert von 43 zurückgegangen.

“Die Weltwirtschaft tritt in eine Phase der Stagnation ein. Während einige große Volkswirtschaften nur noch leicht wachsen, bewegen sich andere inzwischen auf der Stelle oder schrumpfen sogar leicht. Die anhaltenden Handelsspannungen, eine größere politische Instabilität und geopolitische Risiken sowie Sorgen über die begrenzte Wirkung geldpolitischer Impulse dämpfen das Geschäfts- und Konsumklima weiterhin. Das hat negative Auswirkungen auf das Investitions- und Produktivitätswachstum. Als zuletzt wichtiger Wachstumstreiber entwickelt sich der private Konsum weiterhin positiv, verliert in bedeutenden entwickelten und aufstrebenden Volkswirtschaften inzwischen aber an Dynamik”, erläutert Eswar S. Prasad, Professor für Handelspolitik an der Cornell University in Ithaca im US-Bundesstaat New York. “Das neueste DHL Global Trade Barometer verdeutlicht die negativen Auswirkungen dieser Faktoren auf die internationalen Handelsströme. Die rückläufigen Indexwerte für China und die USA, die beiden wichtigsten globalen Wachstumsmotoren, deuten auf eine Verschlechterung des globalen Wachstumsausblicks hin. Insgesamt zeichnet dieser GTB-Bericht ein ernüchterndes Bild für den weiteren Verlauf der Weltwirtschaft und des globalen Handels im restlichen Jahr.”

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Indien kehrt als einziges Land zu einem leicht positiven Wachstumsausblick zurück. Dank eines sehr robusten Ausblicks für die Seefracht erhöht sich der Indexwert für Indien um +5 Punkte auf 54. Im Gegensatz zum anhaltend schwachen Luftfrachthandel (-4 Punkte auf 44) verzeichnet die indische Seefracht eine deutliche Verbesserung um +10 Punkte auf einen Indexwert von 60.

Japan und Großbritannien bekommen Rückgang der Vorperiode verzögert zu spüren: höchste Verluste unter allen Ländern

Neben Indien stechen zwei weitere Länder mit auffallenden Indexentwicklungen heraus: Japan und Großbritannien. Nachdem Japan und Großbritannien im letzten GTB-Bericht im September noch die einzigen Länder mit einem positiven Handelswachstum waren, sind sie im jüngsten Beobachtungszeitraum die klaren Verlierer. Sowohl in Japan als auch in Großbritannien ist der Index unter die Wachstum markierende Schwelle von 50 Punkten gefallen.

Nach einer Phase des Wachstums für den japanischen Handel hat sich der Ausblick für Japan um -5 Punkte auf 48 verschlechtert. Hinter der erwarteten Abschwächung stehen vor allem die schlechteren Aussichten für die japanische Luftfracht mit einem Rückgang um -7 Punkte auf 42 Indexpunkte. Der Indexwert für die japanische Seefracht ist zwar ebenfalls um -4 Punkte gesunken, deutet mit einem Wert von 51 Indexpunkten aber immer noch auf eine positive Wachstumsdynamik hin. Der leicht positive Ausblick kann den deutlichen Abschwung in der japanischen Luftfracht jedoch nicht kompensieren. Anders als Japan zeigte der britische Handel bereits im letzten GTB-Bericht Abwärtstendenzen. Für die nächsten drei Monate fällt die Prognose für Großbritannien erstmals unter die Wachstumsschwelle: Mit einem Rückgang um -4 Punkte auf einen neuen Indexwert von 49 signalisiert der GTB eine – wenn auch nur leichte – Abschwächung des britischen Handels. Zurückzuführen ist diese auf einen Rückgang in der Luftfracht (-4 Punkte auf 49) und der Seefracht (-5 Punkte auf 48). Nach mehreren Quartalen, in denen sich der britische Handel relativ robust gezeigt hat, ist diese Entwicklung offensichtlicher Ausdruck der anhaltenden Unsicherheiten in Bezug auf den Brexit.

(pdhl)

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