Der Sturz der Lira ins Uferlose

Die türkische Lira fällt von einem Rekordtief ins nächste und der Kurs bewegt sich immer weiter auf den Negativrekord zu. Erdogan hingegen teilt wieder kräftig aus, so wie wir es auch kennen. Allerdings werden die Aussagen und Vergleiche immer fragwürdiger, wie man anhand des jüngsten Beispiels sehen kann.

Wer ist dieses Mal schuld an der Misere?

20 Lira ScheinRecep Tayyip Erdogan sucht gerade wieder einen Schuldigen, da die türkische Lira immer weiter ins Bodenlose fällt. Scheinbar hat er auch jemanden gefunden. Wie er am vergangenen Samstag mitteilte, führt sein heiliges Land einen Krieg gegen eine „unheilige Dreieinigkeit“. Damit meinte er die Wechselkurse, Inflation und Zinsen.

Selbstverständlich sind dafür die verantwortlich, die seiner Volkswirtschaft schaden wollen. Zudem äußerte er, dass die Regierung einen großen Strukturwandel vorangetrieben hätte. Dieser sei vor allem wichtig für die Abschaffung von Versprechen und Konzessionen an westliche Mächte. Durch die Auflösung des osmanischen Reichs und die Gründung der türkischen Republik wurde diese Maßnahme gegenstandslos.

Rekordtief der Lira

Nachdem die Lira einen solchen Sturz hingelegt hatte, kam die fragwürdige Aussage von Erdogan. Prompt fiel die Lira noch einmal und war gestern so tief wie noch nie zuvor. Der Kurs von 8,4072 Lira je US-Dollar fiel ins Bodenlose. Somit war am Montag der Euro 9,7798 Lira wert und ist vom niedrigsten Wert von 9,7919 nicht weit entfernt. Seit dem Jahr 1982 hatte die Lira nicht mehr so hohe Verluste von fast 30 Prozent.

Dennoch lehnt Erdogan höhere Zinsen ab, obwohl ausländische und türkische Volkswirte schon seit 2018, der Währungs- und Inflationskrise, mahnen. Auch wenn die CBT im September mit einer 2-prozentigen Erhöhung der Leitzinsen auf 10,25 Prozent überraschte, wird nicht noch einmal nachgelegt. Trotz, dass die Inflation noch über dem Leitzins liegt. Die CBT versucht eher die Geldpolitik über höhere Finanzierungskosten umzusetzen. Dies liegt wahrscheinlich an Erdogan, der ein Gegner von hohen Zinsen ist. Er vertritt die Theorie, dass hohe Zinsen die Inflation nicht eindämmen, sondern sie eher vorantreiben.

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Ob dies jedoch eine gute Finanzpolitik ist, bleibt abzuwarten. Sicher ist allerdings, dass Erdogan seinem Volk dabei nichts Gutes tut. Um die Schuld anderen in die Schuhe zu schieben, wäre es jetzt sinnvoll, dass er endlich etwas tut, bevor die Türkei im Chaos versinkt und die Menschen in den Ruin getrieben werden.

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