Credit Suisse Devisenumfrage 2020 zeigt: Schweizer Unternehmen erwarten keine Aufwertung des Euros

Fast die Hälfte der befragten Unternehmen sichert sich gegen Währungsrisiken ab

Die Credit Suisse hat 1280 Schweizer KMU und Grossunternehmen zu ihren

Credit Suisse Devisenumfrage 2020 zeigt: Schweizer Unternehmen erwarten keine Aufwertung des Euros
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Konjunktur- und Wechselkurserwartungen sowie ihrem Umgang mit Währungsrisiken befragt. Etwas mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer geht von einer stabilen Entwicklung der Schweizer Wirtschaft im Jahr 2020 aus. Der Euro dürfte gemäss den befragten Unternehmen bis Ende 2020 ca. CHF 1.09 wert sein. Mit 43 % sichert sich ein beachtlicher Anteil gegen Währungsrisiken ab.

Das vierte Jahr in Folge hat die Credit Suisse bei Schweizer Unternehmen eine Umfrage bezüglich ihrer Einschätzung zu ausgewählten Themen, welche die globale Wirtschaft, die Politik der Notenbanken und damit auch die Entwicklung der Wechselkurse beeinflussen könnten, durchgeführt.

Der generellen wirtschaftlichen Entwicklung stehen die Umfrageteilnehmer aus dem Dienstleistungssektor optimistischer gegenüber als diejenigen aus der Industrie. Erstere rechnen in 34 % der Fälle mit einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums, während Industrieunternehmen zu 41 % davon ausgehen. Gesamthaft geht etwas mehr als die Hälfte der Befragten von einem stabilen BIP-Wachstum aus (52 %) und nur gerade 11 % rechnen mit einer Wachstumsbeschleunigung. Die Ökonomen der Credit Suisse gehen indes davon aus, dass das Schweizer BIP 2020 von Sportereignissen und einer Stabilisierung der Weltwirtschaft profitieren dürfte, und rechnen deshalb mit einer leicht höheren BIP-Wachstumsrate 2020.

Knapp die Hälfte erwartet einen Zinsschritt der SNB bis 2020
Auch bei der Zinsentwicklung erwartet eine Mehrheit der Umfrageteilnehmer keine Veränderung (52 %) und rechnet demnach damit, dass der Leitzins der Schweizerischen Nationalbank Ende 2020 weiterhin – 0,75 % betragen dürfte. Derweil erwarten 26 % mindestens eine weitere Zinssenkung und 22 % eine Zinserhöhung.

Unternehmen erwarten keine Erstarkung des Euros
Die Befragten gehen infolge der Abschwächung in der globalen Industrie davon aus, dass sich der Euro bis Ende 2020 auf 1.09 (CS-Prognose: 1.15) einpendeln dürfte. Sie prognostizieren damit das zweite Jahr in Folge einen tieferen Wert als im Vorjahr – was sich im Vorjahr als richtig herausgestellt hat. Auch der Entwicklung des GBP zum CHF wird mehr Skepsis entgegengebracht als noch in der letzten Umfrage. In der aktuellen Umfrage gehen die Umfrageteilnehmer davon aus, dass das britische Pfund Ende 2020 noch ca. CHF 1.21 wert sein dürfte (CS-Prognose: 1.40). Wenig volatil zeigen sich die Prognosen für den US-Dollar, die sich im Vergleich zu Ende 2018 nur geringfügig verändert haben und weiterhin auf ca. 0.99 weilen (CS-Prognose: 1.00). Diese Prognosen bezüglich der Wechselkursentwicklungen decken sich jeweils weitgehend mit den Werten, welche die Umfrageteilnehmer auch in ihrer jährlichen Budgeterstellung verwendet haben.

Importeure budgetieren eher mit einem stärkeren Euro
Berechnet man die Differenz zwischen der angegebenen EUR/CHF-Prognose der befragten Unternehmen und dem von ihnen verwendeten Wechselkurs zur Berechnung des Budgets, zeigt sich, dass Importeure eher dazu tendieren, einen etwas stärkeren Euro zu budgetieren. Das heisst, sie sind bewusst vorsichtig. Ähnlich verhält es sich bei den auf den Binnenmarkt Schweiz fokussierten Unternehmen. Hingegen lassen sich bei den Exporteuren und Unternehmen, die sowohl im Import als auch im Export tätig sind, keine klaren Muster erkennen.

Reine Exporteure sichern sich etwas weniger gegen Währungsrisiken ab
43 % der Umfrageteilnehmer sichern sich aktiv gegen Währungsrisiken ab. Im Durchschnitt deckt das Hedging 62 % der Transaktionen in Fremdwährungen ab. Dabei zeigen sich gewisse Unterschiede zwischen typischen Importeuren und Exporteuren. So ist der Anteil an importierenden Unternehmen, die sich gegen Währungsrisiken absichern, mit 47 % höher als derjenige der exportierenden Firmen (40 %). Auch 41 % der rein binnenmarktorientierten Umfrageteilnehmer betreiben Hedging. Das deutet darauf hin, dass auch diese gewisse Transaktionen in Fremdwährung abschliessen. Unternehmen, die sowohl exportieren als auch importieren, weisen mit 67 % den höchsten Anteil an abgesichertem Risiko aus.

Dienstleistungssektor sichert grösseren Transaktionsanteil in Fremdwährungen ab
Industrie und Dienstleister liegen gleichauf beim Anteil an Unternehmen, der sich gegen Währungsrisiken absichert (43 %). Jedoch zeigt eine genauere Betrachtung, dass Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor mit Hedging einen grösseren Anteil ihrer Transaktionen in Fremdwährungen abdecken (67 %) als dies Unternehmen aus dem Industriesektor tun (56 %). Die letztjährige Umfrage der Credit Suisse hat indessen gezeigt, dass Industrieunternehmen etwas häufiger auf natürliche Weise vor Währungsschwankungen gegenüber dem USD abgesichert sind als Dienstleister, da sie mehr Transaktionen in USD auf der Einkaufs- als auch auf der Verkaufsseite tätigen. Dies könnte teilweise dafür verantwortlich sein, dass der Hedging-Anteil bei Exporteuren etwas geringer ist.

Über die Umfrage
An der Umfrage, die zwischen dem 23. September und dem 8. November 2019 online durchgeführt wurde, haben sich 1280 Firmenkunden der Credit Suisse beteiligt, die vom Einzelunternehmen mit einigen Hunderttausend Franken Jahresumsatz bis zum Grosskonzern mit über 1000 Mitarbeitern und mehr als einer Milliarde Franken Umsatz reichen. Dabei gilt es zu beachten, dass die grosse Mehrheit der befragten Unternehmen Aussenhandel in irgendeiner Form betreibt. Das heisst, es handelt sich hauptsächlich um Exporteure oder Importeure. Nur etwas mehr als 10 % der Teilnehmer konzentrieren sich auf den Binnenmarkt in der Schweiz. Der Industrie- und der Dienstleistungssektor hingegen sind in gleichem Masse vertreten.

(Credit Suisse)

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