Autobranche spricht mit Regierung über Chipmangel

Chipmangel verzögert Auslieferung

Bei Halbleiter-Produkten wie Sensoren oder Mikrochips gibt es akute Engpässe. Vor allem die deutsche Automobilindustrie ist schwer betroffen. Viele Schichten sind bereits ausgefallen und Kurzarbeit wird immer häufiger. Mittlerweile spricht der Branchenverband VDA mit der Bundesregierung über Möglichkeiten, die Situation zu entschärfen.

Automobilindustrie erholt sich schneller als erwartet

Chipmangel verzögert AuslieferungSeit dem Frühjahr 2020 sieht sich die Automobilindustrie mit sinkenden Absätzen konfrontiert. Die Hauptschuld daran trägt sicherlich die Corona-Krise, während der weniger Menschen in neue Autos investierten. Auf die Umsatzeinbußen konnte sich die Industrie relativ schnell einstellen. Damit nahm auch die Nachfrage nach Chips, Sensoren und Controllern aus der Automobilindustrie ab. Die Hersteller sahen sich gezwungen, ihre Produktion umzustellen, um andere Industrien zu beliefern, wie zum Beispiel die Elektronikindustrie oder die Medizintechnik.

In der letzten Zeit ist die Nachfrage nach Autos stark gestiegen und dadurch auch die Nachfrage nach Mikrochips für die Fahrzeugproduktion. Laut Wolfgang Weber, Geschäftsführer des Branchenverbands ZVEI, brauchen die Hersteller „ein paar Monate, um ihre Produktion wieder umzustellen und die Nachfrage wieder decken zu können. Schneller geht es leider nicht – das sollten die Autohersteller verstehen und künftig stärker berücksichtigen“.

Probleme bei der Beschaffung der Rohstoffe

Ein Kernproblem ist die Macht der Volksrepublik China. China ist der weltweit größte Lieferant von Silizium, einem zwingend benötigten Rohstoff für die Chipproduktion. China produziert derzeit weniger Silizium als es eigentlich könnte. Teilweise ist die geringere Produktion auf die Folgen der Corona-Pandemie zurückzuführen. Ein anderes Problem ist jedoch die fehlende Energieversorgung.

Um Silizium zu produzieren sind große Schmelzanlagen nötig, welche einen enormen Energiebedarf haben. Allein zwanzig solcher Anlagen stehen derzeit still. Ein großer Teil des Stroms für diese Anlagen wird in Wasserkraftwerken produziert, welche allerdings aufgrund längerer Trockenheit nicht ausreichend Energie produzieren können.

Zuletzt lag die jährliche Siliziumproduktion bei etwa 3,15 Millionen Tonnen. Allein 2,2 Millionen Tonnen davon stammten aus der Volksrepublik China. Das Land hat durchaus Kapazitäten von 5 Millionen Tonnen jährlich. Die Knappheit sorgt zudem für höhere Preise für die Materialien. Perspektivisch dürfte sich daran nicht viel ändern, denn die globale Nachfrage steigt immer weiter an, allein schon in der sogenannten „Industrie 4.0“, der Solarzellenindustrie oder dem gesamten Bereich des autonomen Fahrens und der Elektromobilität ist mit wachsender Nachfrage zu rechnen.